Reflexionen

Mädchen ertrunken

Die Kinder im Freibad

25. August 2009

Sechsjährige in Freibad ertrunken

Ein sechs Jahre altes Mädchen ist am Montagabend in einem Freibad in Linden in Hessen ums Leben gekommen. Wie die Polizei in Gießen berichtete, hatte ein Badegast das Kind im Becken bei einer Wassertiefe von 1,20 Meter gefunden.

Das zu lesen, tut mir sehr weh.
Denn ich kenne das Gefühl der Angst, wenn man als Kind im Freibad ins zu tiefe Wasser gerät.

 

Ich war etwa 9 Jahre alt, konnte aber noch nicht schwimmen. Das Nichtschwimmerbecken (!) war so schräg geschnitten, dass es ganz langsam immer tiefer wurde. An der tiefsten Stelle war das Wasser höher als mein Mund, aber irgendwie bin ich dahin gekomen.

 

Plötzlich trat das ein, was wir vom auf Bäume klettern kennen. Höher gehts immer, runter nimmer. Wie oft ritt mich als Junge später noch der Kletterteufel und ich musste die hohe Pappel [die, gleich an der Schönfelderstraße in der Höhe der Domaine], erklimmen. Und was für ein Gefühl der Beklemmung dann eintrat, als ich wieder mal merkte, dass ich mich zwar hier und da gut hochgezogen hatte, dieser Vorgang sich aber nicht rückwärts durchsetzen ließ. Ein kleines Stückel fehlte plötzlich für die Füße zum nächst-tieferen Ast.

Bedenke ich, dass ich einmal ohne Grund von einer einfachen Kastanie  nur 2,50 Meter runtergefallen bin und ohnmächtig auf der Erde lag -bin ich wegen der Ohnmacht gefallen oder wurde ich wegen dem Sturz ohnmächtig, ich weiß es nicht; oder vom Kirschbaum, als ich mich an Kirschkernen verschluckt hatte, Man o Man- wie wäre ich von der Pappel runtergesegelt und auf der Stelle tot gewesen...

So hatte ich auch im Wasser gestanden bis über die Nase. Jetzt stellt man sich das als Erwachsener so einfach vor, ein bisschen paddeln und nach Hilfe rufen. Aber das ist reine Illusion.

 

Ich rang nach Luft, wozu es nötig war, mich immer wieder mit den Zehenspitzen unten abzustoßen, um kurz mit dem Mund über Wasser zu kommen, ging aber sofort danach wieder nach unten.

Meine Versuche zu Rufen, waren ganz sinnlos, alles ging im Quieken  und Schreien der vielen Menschen unter. Denn das Bad war sehr voll.

 

Keiner bemerkte etwas. Bademeister? Fehlanzeige.

 

Ich sah meinen Onkel aus Sangerhausen, der Zeuge Jehovas war, mit jemandem fröhlich einen großen bunten Wasserball hin und her werfen und hoffte, er würde sich doch nach mir umdrehen. Doch niemand bemerkte mein Ringen. Vielleicht sollte ich schon als Kind lernen, dass ich von den Zeugen Jehovas nichts erwarten soll.

 

Natürlich war mir klar, dass ich beim Abstoßen mit den Füßen versuchen musste, einen schrägen Winkel zu finden, so, dass ich Zentimeter um Zentimeter ins flachere Wasser kam.

Das war nicht leicht, da ja gerade dieser Winkel zum flacheren hin ungünstig zum Abstoßen ist; wollte man ins tiefere gelangen, wäre der Bodenwinkel günstig.

 

Nach ein paar Minuten war ich dann wieder im flachen Wasser.

Aber wir wissen ja: Zeit ist relativ

Warum ich 25 Jahre später an einem Ostseestrand meine Kräfte falsch einschätzte und so weit rausgeschwommen bin dass ich nur mit Mühe und Not wieder zurückkam, kann ich mir nicht erklären.

 

Ist es denn wirklich so schwer zu erreichen, dass im Freibad keine Kinder ertrinken? Weder durch Unachtsamkeit noch durch Absaugepumpen, wo Kinder mit den Haaren reingezogen werden oder mit einem Körperteil feststecken.

 

Der Kleine Tim

Wie ist Tim gestorben?

Es war der 6. August 2006 - der letzte Tag des gemeinsamen Urlaubs von Tim und seinem Vater Gert Quedenfeld. Am frühen Nachmittag taucht Tim durch den Pool der Rutschanlage - mit seinem neuen Schnorchel und Flossen. Tim kann gut schwimmen und tauchen. Ohnehin ist der Achtjährige ein guter Sportler. Um 14.30 Uhr wird die Rutschanlage geöffnet. Erst dann wird Wasser aus dem Becken auf die Rutsche gepumpt. An den anderen Tagen gehörte Tim immer zu den ersten beim Rutschen. Doch an diesem Tag ist er nicht zu sehen. Sein Vater, der etwa 30 Meter entfernt am Erwachsenen-Pool sitzt, wundert sich darüber - und geht sofort los, um nach Tim zu schauen. Er kann Tim nicht sehen, fragt andere Urlauber nach seinem Sohn. Dann sieht jemand den Schnorchel unter der Rutsche. Gert Quedenfeld springt sofort ins Wasser. Er sieht, dass Tim bewusstlos unter der Wasseroberfläche festhängt. Sein Bein steckt in einem Ansaugrohr. Mit der Hilfe weiterer Urlauber versucht der Vater seinen Sohn zu befreien - vergeblich. Erst als die Pumpen nach ein paar Minuten abgestellt werden, kann Tim aus dem Rohr geholt werden. Für Tim kommt die Hilfe zu spät: Auch Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzdruck-Massage können ihn nicht mehr retten.

Könnte so etwas auch in Deutschland passieren?

Grundsätzlich gilt: Ansauganlagen in Schwimmbädern, die Wasser aus Schwimmbecken zu Attraktionen wie Rutschen oder Massageduschen pumpen, stellen eine Gefahr dar - auch in Deutschland. Vor allem lange Haare können sich leicht in den Gittern der Ansauganlagen verfangen. Aber in Deutschland sorgen spezielle Siebe und eine regelmäßige Wartung für eine erhöhte Sicherheit.

aus: Stern-TV

 

 

Da zeigen sich die Früchte einer Zeit, wo es am laufenden Band heißt: Du musst nicht immer alles so genau nehmen.

Peter Schreiber               25. August 2009   

 

Neue Nachricht vom 06.06.2010

Zwei Jungen im Freibad ertrunken

vom 06.06.2010

Reaktionen:

Sofort gab es die üblichen Reaktionen im Internet: Man könne den Kindern ja nicht alles verbieten; könne sie nicht 24 Stunden im Auge behalten, man könne das obligatorische Geheul nicht mehr hören etc.

 

Liebe Dummköpfe! Daran merkt man erstens, dass es nicht euere Kinder waren und zweitens, dass ihr garnicht versteht, was kritisiert wird: Die typische Schlampenwirtschaft an allen Ecken und Enden. Die immer mehr umsichgreifende "Ist-doch-egal-da wird-schon-nichts-passieren" Haltung der Betreiber von Anlagen. Eine immer dekadentere Prüf- und Vorschriften Handhabung, die immer mehr darauf hinausläuft, dass letztlich jede Untersuchung Jahre dauert und am Ende keiner Schuld hat. Aber das Kind ist tot.

 

 

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