Gisela Steineckert

Mir hat das Leben viel verwehrt

Mir hat das Leben viel verwehrt

ich hatte nie ein treues edles Pferd

wie wär ich sonst durch Hag und Hain geritten

bis wir einst Aug in Aug beide ausgelitten

 

Das große Glück

das sich so selten zeigt

es schweigt es schweigt es schweigt

ich werd es niemals sehn

und muß als Waisenkind des Glücks beiseite stehn

 

Mir hat das Leben viel verwehrt

wie hab ich Rosen oft und oft begehrt

der Winter hat mir diesen Wunsch erfroren

o holde Rose, wärst du niemals hier geboren

 

Das große Glück

das sich so selten zeigt

es schweigt es schweigt es schweigt

ich werd es niemals sehn

und muß als Waisenkind des Glücks beiseite stehn

 

Mir hat das Leben viel verwehrt

wie hab ich mich nach Leidenschaft verzehrt

und fand den Menschen nicht, der meiner Wert war

fand keine Flamme,

die nicht schnöde schon entehrt war

 

Mir hat das Leben viel verwehrt

selbst eine Heimat, die mich würdig ehrt

hier bin ich Mensch, doch einer von den vielen

wer fragt nach mir und meinen tieferen Gefühlen

Das große Glück

 

 

 

Vor dem Wind sein, Lieder S. 127

Gisela Steineckert

Verlag Neues Leben, Berlin 1980

DDR

Mir hat das Leben viel verwehrt, Gisela Steineckert